Von den Anfängen des Grünen Punktes bis zum neuen Verpackungsgesetz Teil 9

Verständigung zum Clearing doch noch auf der Kippe

Stefan R. Munz
10. Januar 2018

Marktführer DSD schert aus

Nachdem die Systembetreiber in den Tagen vor Weihnachten eine prinzipielle Einigung zum Clearingvertrag herbeigeführt hatten, mussten die Verhandlungsführer die erzielten Ergebnisse noch in Ihren Unternehmen vertreten. Das ist nicht allen Vertretern gleichermaßen gut gelungen. Denn, nur neun von zehn Dualen Systemen haben dem Vertrag letztlich zugestimmt. Ausnahme ist Marktführer DSD. Das DSD-Management besteht darauf, dass auch für 2017 die Mengenmeldungen der VE-Registerdatenbank und der Clearingstelle übereinstimmen müssen und beruft sich dabei auf eine Meinung des Bundeskartellamtes. Eine entsprechende Beschlussvorlage hierzu sei jedoch nicht von allen Systembetreibern unterstützt wurden.

Die Zeit läuft, der Druck wächst

Nun sind die Beteiligten gezwungen bis zum 15. Januar des neuen Jahres eine Lösung zu finden. Denn, so viel steht fest: Ein Clearing kann es nur zwischen allen zehn Anbietern geben. Es ist zu erwarten, dass hinter den Kulissen mächtig Druck gemacht wird. Nicht zuletzt auch von Seiten der Entsorgungswirtschaft, deren Investitionen am Ende der logistischen Kette Verpackung im Risiko stehen.

Zusätzlich verschärft wird die Situation durch ein Begehren des Dualen Systems RKD aus dem Dezember des alten Jahres. Das Unternehmen hatte gleich mehrere Bundesländer dazu aufgefordert, die Feststellung der Dualen Systeme zu überprüfen, die den ehemals bestehenden Clearingvertrag gekündigt hatten und nach Auffassung von RKD nunmehr über keinen gültigen Clearingvertrag verfügen. Auch wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit nach Expertenmeinung eher gering ist, so ist nicht auszuschließen, dass ein Bundesland der RKD-Argumentation folgt und die DSD-Feststellung wiederruft. Im Management des DSD dürft dies für zusätzliche Kopfschmerzen sorgen.

Katerstimmung beim Marktführer

Dabei ist die Stimmung in der Frankfurter Straße ohnehin getrübt. Die Spekulation darüber, dass der Discounter Lidl vom Grünen Punkt zum Wettbewerber Interseroh gewechselt haben könnte, scheint sich zu bestätigen. Die aktuelle Indikationsmeldung der Dualen Systeme aus dem Dezember legt den Verdacht nahe, dass der Wettbewerber Interseroh erfolgreich akquiriert und weiter Boden gut gemacht hat und zudem auch die Kaufland-Mengen unter Vertrag nehmen konnte. Der Marktanteil des DSD bewegt sich hingegen weiter nach unten. Er sinkt bei den LVP-Mengen in Richtung der 30 %-Marke. Im letzten Quartal des vergangenen Jahres lag man noch bei knapp 40 %.

Auch wenn die Unternehmen in Sachen Clearingvertrag Seite an Seite gekämpft haben, so zeigt sich doch, dass der Wettbewerb dadurch nicht aufgehoben wurde und an der Vertriebsfront ein harter Preiskampf tobt.

Marktanteile (nur LVP) auf Basis der Indikationsmeldung zum 1. Quartal 2018 mit Stand 19.12.2017

Quelle: EUWID Ausgabe vom 09.01.2018

Duales System Marktanteil
DSD 33,28 %
Interseroh 22,61 %
BellandVision 18,09 %
Redual 7,55 %
RKD 6,54 %
Landbell 4,70 %
ELS 4,06 %
Zentek 2,71 %
Noventiz 0,30 %
Veolia Dual 0,16 %
Gesamtmarktmenge LVP 1. Quartal 2018 333.573 t
Hochrechnung LVP Jahr 2018 1.334.292 t
Lesen Sie im nächsten Teil (10) mehr über die Entwicklung von der Verpackungsverordnung zum Verpackungsgesetz.