Von den Anfängen des Grünen Punktes bis zum neuen Verpackungsgesetz Teil 3

Ratten groß wie Pferde

Stefan R. Munz
07. September 2017

Wie duale Systeme Marktmengen manipulierten

Wenn die eigentliche Leistung keine Differenzierung im Wettbewerb ermöglicht, bleibt scheinbar nur der Preis um sich im Markt erfolgreich zu positionieren. Diesen Reflex haben einige der Anbieter im Markt der Dualen Systeme in die Praxis umgesetzt und in Teilen auf die Spitze getrieben. Möglich war dies durch die geschickte Auslegung der Verpackungsverordnung, die Mengenabzüge unter bestimmten Bedingungen ermöglichte.

Fragwürdige Abzüge beider Mengenermittlung

Seites des Verordnungsgebers gut gemeint – und im Sinne der zur Beteiligung an einem System de facto verpflichteten Unternehmen gewollt – war, dass Entgelte nur für die Verpackungen gezahlt werden müssen, die tatsächlich auch im Rahmen der Dualen Entsorgung anfallen können. Nachdem beispielsweise überlagerte oder verdorbene Lebensmittel direkt im Handel entsorgt werden und deshalb gar nicht erst in den Haushalt gelangen, entfällt für diese Verpackungen prinzipiell auch die Entgeltpflicht. So wurde irgendwann dann auch der exzessive Rattenfraß zum Geschäftsmodell einiger Dualer Systeme. Ein Insider weiß zu berichten: ‘‘Um die Abzüge im Gesamtsystem zu rechtfertigen hätte es ganzer Herden von Ratten – groß wie Pferde – bedurft‘‘. Jemals gesehen wurden diese Herden jedoch weder im Handel noch in der Industrie.

Die Weisheit vom Umgang mit dem Ast auf dem man sitzt

Die Schlitzohrigkeit der Systeme, die am Rande der Legalität operierten – und manchmal auch darüber hinaus – bestand oft auch darin, dass die Systeme diese Abzugsmöglichkeiten ohne Kenntnis ihrer Kunden nutzten um ihre Einkaufskosten und zu reduzieren und so ihre Gewinne zu maximieren. Dies gelang zeitweise in beeindruckenden Dimensionen. Folge dieser Entwicklung war, dass das Gesamtsystem im Winter 2014 derart in Schieflage geriet, dass sich der Marktführer gezwungen sah, den sogenannten Clearingvertrag zu kündigen. Dieser Clearingvertrag regelt im Kern die Lasten-verteilung zwischen den Dualen Systemen im Zusammenhang mit der haushaltsnahen Entsorgung von Verpackungen. Während im 3. Quartal 2013 die Gesamtmarktmenge noch 300.000 Tonnen der kostenintensiven Leichtverpackungen betrug, waren es im ersten Quartal 2014 nur noch wenig über 200.000 Tonnen. Dieser Mengenschwund – von Insidern süffisant auch Mengenmassagen genannt – war dann auch durch Rattenfraß nicht mehr erklärbar.

Lesen Sie im nächsten Teil (4) mehr über die Entwicklung von der Verpackungsverordnung zum Verpackungsgesetz.