Von den Anfängen des Grünen Punktes bis zum neuen Verpackungsgesetz Teil 2

Ende der Verpackungsverordnung beschlossen

Stefan R. Munz
26. Juli 2017

Das Ende des Monopols bei der Verpackungsentsorgung

Mitte bis Ende der Neunziger schien die Welt des dualen Systems noch in Ordnung. Zwar gab es immer wieder Anläufe aus der Privatwirtschaft das bestehende Monopol der Kölner zu brechen, doch der Durchbruch für mehr Wettbewerb bei der Verpackungsentsorgung erfolgte erst einige Jahre später. Schützenhilfe gab es für die Angreifer einmal mehr aus Brüssel. Die EU-Wettbewerbskommission warf der damaligen DSD GmbH im Jahre 2001 vor, seine marktbeherrschende Stellung zu missbrauchen.

Zeichennutzungsvertrag – eine geniale Konstruktion des DSD-Managements

Hauptkritik war die Lizenzregelung zur Nutzung der Marke ‘Der Grüne Punkt‘ im sogenannten Zeichennutzungsvertrag. Lizenznehmer des Grünen Punktes zahlten nicht etwa für die Entsorgung ihrer Verpackungen, sondern für die Nutzung der Marke ‘Der Grüne Punkt‘. Sollte deren Verwendung auf der Verpackung zunächst nur die Beteiligung am Dualen System symbolisieren, so entwickelte die Kennzeichnung im Verbraucherverständnis eine Eigendynamik. Viele Verbraucher sind bis heute der Meinung, dass so gekennzeichnete Produkte oder Verpackungen ökologisch besser seien, als solche ohne diese Bildmarke. Der Markteintritt war für Wettbewerber damit nahezu ausgeschlossen.

Wettbewerb ab dem Jahre 2004

Im Jahre 2004 war es dann endlich soweit. Nachdem die Wettbewerber Landbell und Interseroh in den Jahren zuvor zunächst mit sogenannten Selbstentsorgerlösungen erste Nadelstiche setzen konnten, gelang beiden Anbietern der Durchbruch. Im Jahre 2006 waren es dann bereits vier duale Systeme, im Jahre 2008 waren es dann sieben Marktteilnehmer. Aktuell gibt es zehn duale Systeme, die sich den Markt zur Entsorgung von Verkaufsverpackungen teilen. Die Marktführerschaft ist dabei bei den Urvätern der dualen Entsorgung verblieben. Immerhin sind etwa vierzig Prozent aller Verkaufsverpackungen nach wie vor bei den Kölnern lizenziert.

Harte Bandagen im Wettbewerb

Es liegt in der Natur des Sache, dass Wettbewerber versuchen sich im Markt zu differenzieren. Doch wie soll das gelingen, wenn das Produkt der haushaltsnahen Entsorgung kaum Handlungsspielräume bietet? Denn die Kosten für die operative Entsorgung von Verkaufsverpackungen durch Kommunen und Entsorger sind für alle Anbieter mehr oder weniger gleich. So entstand eine regelrechte Preisschlacht zwischen den Systemen. Und das nicht immer mit fairen Mitteln.

Lesen Sie im nächsten Teil 3, wie der Wettbewerb der Anbieter das System der haushaltsnahen Entsorgung in Schieflage brachte.