Erste Quartalsmeldung 2019

Ein Schock für die Systeme

Sonja Koller, freie Journalistin und Texterin
20. Februar 2019

Die vergangene Vertriebssaison war für die Dualen Systeme die bislang härteste und, wie sich nun zeigt, auch die risikoreichste. Bei ihren Kalkulationen setzten die Systeme auf die Wirkung des neuen Verpackungsgesetzes und die Arbeit der Zentralen Stelle Verpackungsregister. Kalkuliert wurde mit einer Gesamtmarktmenge von mindestens 1,8 Mio. Tonnen LVP für das Jahr 2019.

Veröffentlichung der ersten Quartalsmeldung

Mit der Veröffentlichung der Planmengen kam nun der Schock für die Systeme. Die Meldungen für das erste Quartal zeigen nur einen leichten Aufwärtstrend. Über alle Fraktionen hinweg, konnten gerade einmal 95.000 Tonnen Verpackungen mehr unter Vertrag genommen werden als im Vorjahreszeitraum. Bei LVP waren es etwa 20.000 Tonnen, was einen Anstieg von lediglich 4,92 % zum Vorjahr bedeutet.

Sollte sich dieser Trend fortsetzen, würden im laufenden Jahr gerade einmal 1,7 Mio. Tonnen LVP lizenziert werden. Damit wäre selbst die Planmenge des Jahres 2018 unterschritten. Das sorgt für Unruhe bei den Systemen, von denen sich einige in ihrer Existenz gefährdet sehen müssten. Dennoch gibt man sich betont gelassen und hofft auf einen deutlichen Anstieg der Beteiligungsmenge im laufenden Jahr.

Clover-Gründer Stefan R. Munz meint dazu: „Diese Quartalsmeldung ist vor allem auch eine Klatsche für das neue Verpackungsregime. Das Ziel, die Finanzierung der haushaltsnahen Sammlung zu stabilisieren, liegt nach wie vor in weiter Ferne.“

Ein Hoffnungsschimmer: der Katalog systembeteiligungspflichtiger Verpackungen

Anlass zur Hoffnung bietet der verspätete Katalog der systembeteiligungspflichtigen Verpackungen, der klären soll, wer welche Verpackungen zu lizenzieren hat. Immerhin, lag der schwarze Peter bei Planmengenabweichungen in der Vergangenheit regelmäßig bei den Dualen Systemen, liegt er nun beim Verpackungsregister, das für Gerechtigkeit und Transparenz bei der Finanzierung der haushaltsnahen Sammlung sogen soll.

Leichter Anstieg der registrierten Unternehmen

Anfang Januar waren 130.000 Unternehmen bei der Osnabrücker Behörde registriert. Das sind immerhin 70.000 Unternehmen mehr als im vergangenen Jahr. Bis zum Jahresende sieht Gunda Rachut, die der Stiftung vorsteht, ein Potenzial von bis zu 250.000 Unternehmen. Zur Erinnerung: Frühere Schätzungen lagen bei 720.000 registrierungspflichtigen Betrieben. Insbesondere Online-Händler, deren Zahl auf 300.000 geschätzt wird, entziehen sich nach Beobachtungen der Stiftung der Beteiligungspflicht. „Eine völlig überschätzte Zielgruppe“, meint Stefan Munz, „Hier geht es überwiegend um Versandverpackungen, und deren Lizenzierung spielt für die Gesamtmarktmenge der LVP keine Rolle“.